DIE SCHEINHEILIGEN

A PLATZERL IM HIMMI

So, wie jede Woche ein bis vier Mal hocken sie auch heute wieder beieinander beim „Oidn Wirt“ im Untern Dorf und überlegen, wie sich das Volk am besten bescheißen lasse. Der blasse Schultheis, die siebengescheite Gscheidle, der winselnde Krautwickerl und der g’winnsüchtige Eggenhofer. Gscheidle haust im Armenhaus und ist froh über jede Maß Bier, die sie abstauben kann. Der Krautwickerl sagt auch nicht nein, wenn’s etwas umsonst gibt. Und der Schultheis lässt sich, obzwar er schon eine Mistgabel braucht, um sein Geld umzuschaufeln, nur allzu gerne einladen, wenn es nichts kostet. Spendable ist da der Eggenhofer. Aber nur, wenn er sich etwas verspricht.
„Mit Gfälligkeiten fangt ma d’Leid. Und hostas amoi, dann kriagst a jeden Baugrund“, ist seine Devise. Da hocken sie jetzt und tüfteln umeinander, wie sich das nächste Geschäft machen lässt. Doch vorher will der Eggenhofer, der offiziell einen Zement- und Ziegelhandel betreibt, noch etwas ganz anderes.
„Sog Schultheis, host net no a Platzerl in deiner Gmoa. I hätt’ do amoi wieda a Nichte. De kannst fei guat fia mi bei dir unterbringa.“
Schultheis überlegt nicht lange und verspricht dem Eggenhofer, in den Amtsstuben eine Stelle dafür freizumachen.
„Wos konns nachat?“
„Ja, g’lernt hods nix. Aber des hod doch no nia net a Roin gspuit!?“, wird der Eggenhofer leicht grantig.
„Beruhig di wieda, i hob ja bloß gfrogt.“
Der Schultheis, der übrigens mit bürgerlichem Namen Peter Sack heißt, geht ganz sakrisch in sich.
„In dSchreibstum hock is net eini. Do sitzt ja scho de andere Nichte von dir drin. In da Kanzlei is a bled, weil do dei Schwoga scho aufpasst, dass nixe net schiaflafft. Aber in der Kämmerei, do kannt is guat no untabringa. Hähä. Wia hoaßtn dei Nichte glei?“
„Babsi."

BABSI - OH DU HOLDE MAID
"Babsi? Babsi, oh du holde Maid. Komm zu mia, wia mi des gfreit.“
Der Schultheiß klopft sich vor Freude auf die Schenkel wegen seines gelungenen Reims. Bei offiziellen Auftritten mimt er ja meistens den eher steifen Vertreter. Jedoch kaum losgelassen, dreht er auf. Und die Gscheidle lacht mit und da Krautwickerl auch und da Eggenhofer sowieso.
„Hods wenigstens a Holz vor da Hüttn?“, will der Schultheis wissen.
Der Eggenhofer nickt mit’m Kopf und bekommt gleich auch schon stierige Augen.
„Guuuaaad is beianand, de Babsi. So richtig zum Hilanga“, ziehts dem Eggenhofer die Spucke über die Mundwinkeln.
„Wui a hilanga“, geifert Krautwickerl nach.
Der Schultheiß hat begriffen.
„Aha, so a Nichte hamma wieda. Wo kimmts denn her?“
„Ausm Allgei.“
„Ja schee, ausm Allgei. Andre Länder, andre Sitten, andre Frauen andre Titten. Hähähä“, der Schultheiß erstickt fast am eigenen Lachen, so gut findet er seinen Spruch. Jetzt sammelt sich auch bei im der Geifer im Mund. Er schlürft und schmatzt bei der Vorstellung, dass schon bald wieder ein frischer draller Knackarsch seine Amtsstuben ziert. Zu Hause hat er ein eher mageres Weiberl sitzen. So vorn nix und hinten auch nix. „Da tut frisches Blut gut“, sagt er immer zu seinen Bürodamen.
„Ja, brings nur, dei Babsi. De hock ma glei zum Kämmerer eini, dann vergisst er vielleicht de entfleuchten Millionen. Hähä...
Oh, Grüß Gott, Hochwürden. Gelobt sei Jesus Christus. Ave Maria und der Herr ist mit mir… Jetzt hätte ich ihnen fast beinahe nicht gesehen. Das ist aber schön, dass sie auch einmal vorbei schauen.“
Der strenge Blick des Herrn Pfarrers verheißt nichts Gutes.
„Fang di nua wieda, Schultheiß. Ich hab gehört, ihr habt_s scho wieda amoi a oids Weiberl um ihr Sach bracht?“

A SO A SAUEREI

„Aber Herr Pfarrer. I bitt’ scho goa schee. Mia und jemand um a Sach’ bringa. Des ham mia no nia net do und ham des a gao nia net notwendig?“, schleimt sich jetzt Eggenhofer an den Geistlichen heran.
„Notwendig habt’s engs net. Aber ruachert seids.“
„Jetzt reichts aber, Herr Pfarrer. Oa Wort no, und i hoi mein Advokaten", wechselt Eggenhofer schlagartig die Tonart.
„Den konnst nachat scho hoin. Dann machma glei Nägl mit Köpf und ihr ruckt's den Vertrag wieder raus. Wos sogst jetzt du dazu, Schultheiß.“
„Ich? Ich wollte ja eigentlich schon gehen… Ich muss die Rosalie Gscheidle ins Armenhaus fahren. Sonst sperren die zu und dann hat sie heute Nacht keine Bleibe nicht.“
„Do bleibst“, nagelt ihn der Pfarrer fest. „Mia ham jetzt wos zu beredn. Und wenn’s Armenhaus hernachert zuagsperrt hod, dann nimmst de Krampfhenna hoit mit hoam zu dia und lasst das bei dia schlaffa.“
„Ja um Gottes Willen, Herr Bfarrer. Das geht auf keinen Fall nicht. Ich bin doch kein Wohltäter… hmhmm i monat blos, ich kann doch nicht einfach…. Also meine Frau hat da entschieden etwas dagegen. Da muss die Rosalie Gscheidle dann schon anderswo schauen, wie sie unterkommt.“
„Des is mia wurscht, wo eier Gscheidle unterkommt. Den Vertrag will ich. Raus damit, dann san mia glei fertig. A so a Sauerei a. Da Roßhuber Zenzi habts ihr scheenst Stückerl Land obgschwatzt und des grod amoi für a Versprechen, dass an Platzerl im Himmi kriagt. Dafür bin immer no i zuständig. Habts mi verstanden?“
„Mia ham doch koan Vertrag net“, versucht der Eggenhofer aus der Geschichte herauszukommen.

A SONNTAGSHOSN FÜR DEN ABLASS
Dem Korbinian Krautwickerl wird die Sache jetzt zu heiß. Er versucht sich französisch zu empfehlen und hofft, ungeschoren davon zu kommen.
„Gä nua du. Bist eh bloß a Spruchbeitel. Zu mehr langts bei dir sowieso net“, entlässt ihn der Pfarrherr. „Und nimm fei de ander a glei mit. Saubagage elendige", lässt sich der Pfarre zu einem Fluch herab.
„So, Schultheis. I sogs jetzt zum letzten Moi. Raus mit dem Vertrag oder i gä zum Pollykarpsinger Dorfboten.“
„Ja, um Gottes Wuin, Herr Bfarrer. Des kennas uns doch net o doa. Dann kimmt ja oise auf!? Eggenhofer, es bleibt nix anders übrig. Mia missn do durch", winselt der Schultheiß. "Also, Herr Hochwürden. Den Vertrag hat der Kugler.... Sie wissen scho. Da Neffe vom Eggenhofer. Also, den Vertrag hat der Kugler mit da Roßhuber Zensi abgeschlossen. Der Kugler is aber heit net do. Der schneit d’Heckn bei der Pollinger Betty.“
„Bei wem. Bei der Pollinger Betty? De is doch a scho über Neinzge und hod ara scheens Stückl Land. Der wert doch net... Nix wia hi und ihr zwoa kemmts morgen ganz in da Fruah in mei Sakristei zum Beichtn. Und an Vertrag bringt's dann auch gleich mit.“
„Gern, Herr Hochwürden. Und bei der nächsten Altkleidersammlung spende ich dann wieder a scheene Sonntagshosn. Versprochen“, sagt der Eggenhofer.
Der Schultheis wartet gerade so lange ab, bis der Pfarrherr aus der Türe hinaus ist. Dann schüttelt er sich, zieht den Vertrag aus der Tasche und sagt: „Der Kugler ist heit eh auf Computerschulung im Allgäu. Und morgen in da Fruah is da Notartermin. Mit da Roßhuber Zensi ihrem Anwalt san mia eh einig. Bis dea damische Bfaff spannt, dass mia net do so san, is oise scho unter Dach und Fach. Und de Bollinger Betty, de nehmen wir uns dann nächste Woche vor."


Herr Pfarrer, i woaß vo nixe .... scho glei goa net.

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